Organisationsstrukturen für Reedereien: Kann SAFe die maritime Organisation verändern?

Die Reedereiorganisation steht vor einem strukturellen Problem

Reedereien benötigen klare Verantwortlichkeiten. Auf einem Schiff kann nicht jedes Problem basisdemokratisch gelöst und nicht jede Entscheidung iterativ ausprobiert werden. Sicherheit, Seetüchtigkeit und regulatorische Compliance verlangen eindeutige Entscheidungsbefugnisse.

Diese Logik reicht weit in die Landorganisation hinein. Operations, Technical Management, Crewing, Chartering, Finance, IT sowie Safety & Compliance bilden häufig klar abgegrenzte Funktionsbereiche.

Der International Safety Management (ISM) Code unterstützt diese Verantwortungslogik ausdrücklich. Er verlangt definierte Verantwortlichkeiten zwischen unterschiedlichen Managementebenen an Land und auf See und betrachtet das Engagement des Top-Managements als wesentliche Voraussetzung eines funktionierenden Safety Managements [1].

Diese Organisationsform besitzt jedoch eine Schwäche: Die großen Transformationsthemen der Schifffahrt halten sich nicht an Abteilungsgrenzen.

Ein Fleet-Performance-System ist gleichzeitig ein IT-, Daten-, Technik- und Operations-Thema. Alternative Kraftstoffe betreffen Technik, Betrieb, Einkauf, Crewing, Safety, Finanzierung und Regulierung. Ein autonomes oder teilautonomes Schiff verbindet Nautik, Sensorik, Software, Kommunikation, Cybersecurity und landseitige Kontrollstrukturen.

Die Forschung bestätigt das Problem. Raza et al. identifizieren bei der digitalen Transformation maritimer Logistik insbesondere organisatorischen Widerstand, Silostrukturen und fehlende Agilität als Hindernisse [2]. Lambrou et al. zeigen wiederum anhand von Fallstudien, dass führende maritime Unternehmen auf Digitalisierung unter anderem mit neuen digitalen Einheiten und stärker bereichsübergreifenden Governance-Strukturen reagieren [3].

Die Herausforderung lautet deshalb nicht, die Hierarchie einer Reederei abzuschaffen.

Sie lautet:

Wie lässt sich eine auf Stabilität und Sicherheit ausgerichtete Organisation mit einer auf Veränderung und Geschwindigkeit ausgerichteten Organisation verbinden?

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Dr.-Ing. Mark-Oliver Würtz

Dr.-Ing. Mark-Oliver Würtz / Enterprise Architekt - Ressort: Business & Strategie

Dr.-Ing. Mark-Oliver Würtz verbindet mehr als 30 Jahre Erfahrung in der IT und Unternehmensberatung mit fundierter Expertise in Organisationsgestaltung und Enterprise Architecture Management. Als geschäftsführender Gesellschafter der JellyCo GmbH...

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